Wenn das ein Traum ist – bitte nicht aufwecken!
Tabellenführer, 6 Punkte, Torverhältnis von 5 zu 1 Toren, der beste Stürmer der Liga kommt aus den eigenen Reihen und das Wichtigste zuletzt: Die Bayern geschlagen.
Wenn das ein Traum sein sollte, dann weckt mich bitte nicht auf! So unfassbar das auch klingt, aber der amtierende Meister muss sich gegen die couragierten Lautrer geschlagen geben.
Nach dem Pokalkrimi in Osnabrück und dem gelungenen Saisonstart gegen den 1. FC Köln erwachte Euphorie in der Pfalz. Zum ersten Heimspiel der Saison kamen dann noch die Bayern. Kein Wunder, dass man in Kaiserslautern über gar nichts anderes mehr redete als über seinen FCK. Je näher der Freitag kam, desto größer wurde die Vorfreude auf das Spiel der Spiele. Ob in sozialen Netzwerken oder in persönlichen Gesprächen, jeder war Feuer und Flamme für dieses Spiel – und das spürte man überall. Am häufigsten wurde das legendäre 7:4 thematisiert – das Spiel, in dem der FC Bayern wahrlich deklassiert wurde (unten nochmal das Video). Ähnliches wünschte man sich bei dem ersten Bundesliga-Heimspiel seit über vier Jahren.
Optimistische FCK-Anhänger glaubten an die Sensation, realistische Fans hingegen sahen einem eher knappen Spiel entgegen, bei dem bereits ein Punktgewinn hoch anzurechnen gewesen wäre. Die Stimmung kurz vor dem Spiel war, wie so oft, hervorragend. Wer knapp eine halbe Stunde vorher noch nicht im Stadion war, hörte plötzlich ein hallendes Pfeifkonzert – die Bayern betraten den Rasen. Die Minuten zum Spiel wurden mit Fangesängen überbrückt. Dann kamen die Spieler aus den Kabinen und der FCK-Fan wusste, dass heute was Besonderes in der Luft lag.
Das Spiel verlief wie erwartet: Der FC Bayern machte das Spiel und unser FCK hielt mit allem dagegen, was er aufbieten konnte. Jeder gewonnene Zweikampf oder Ballverlust der Bayern wurde lautstark von den knapp 49.000 Zuschauern bejubelt. Es passierte in den ersten Minuten nicht wirklich viel, unser Team war bemüht ins Spiel zu kommen. Dann kam das, was wohl jeder Experte und neutrale Zuschauer vorhergesehen hatte: Eine Unstimmigkeit in der Lautrer Hintermannschaft, Jessen hebt zu allem Überfluss das Abseits auf und Thomas Müller ist auf dem Weg zum 1:0. Zur stillen Freude der Lautrer-Fans geht Müller den Weg nicht zu Ende. Großes Aufatmen in der Westkurve.
Der ein oder andere dachte, dass die Bayern den Abwehrriegel geknackt hatten, doch diejenigen sollten sich irren. Die 36. Minute war angebrochen, Tiffert bekommt rechts außen den Ball. Er sieht in der Mitte den heranstürmenden Nemec, spielt ihm den Ball zu, Nemec lässt den Ball mustergültig durch und Ilicevic haut das Ding in die Maschen! Tor! Führung! Die Fans auf den Rängen rasten aus, man liegt sich in den Armen und lässt seiner Freude freien Lauf. Wir führen gegen die Bayern!
Wir waren noch nicht mit unserem Jubel fertig, als ein langer Ball erneut bei Ilicevic landet, der einen tollen Pass auf Lakic spielt und Letzterer zum 2:0 vollstreckt. Spätestens jetzt musste man gezwickt werden um zu realisieren, dass dies alles wirklich passiert. Manche Fans schüttelten ungläubig den Kopf, um dann von der Euphorie überwältigt zu werden. Zur Halbzeit hieß es 2:0 für den 1.FC Kaiserslautern. In der Halbzeitpause musste man die Ereignisse erstmal verarbeiten. Kaum haben wir es realisiert, erstrahlt auf der Anzeigetafel die Live-Tabelle: Der 1. FC Kaiserslautern war Tabellenführer und weit und breit kein FC Bayern! Lautrerherz, was willst du mehr?
Trotz der 2:0 Pausenführung durfte man nicht vergessen, dass es noch weitere 45 Minuten zu spielen gab. Wir unterstützten unsere Jungs weiterhin lautstark und das schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Zwar waren die Räume nicht mehr so dicht wie es in der ersten Halbzeit der Fall war, doch die Bayern waren am heutigen Abend nicht effizient genug. Die Fans wussten, dass der FCK wieder eine Festung war, dies sollte mit den drei Punkten gegen den amtierenden Meister unterstrichen werden. Die Zeit verstrich und die Gewissheit wurde von Minute zu Minute größer, dass wir dieses Spiel erfolgreich beenden werden würden.
Kurz vor Schluss hatte Rodnei sogar die Chance zum 3:0. Doch die Fans hatten nur ein Schmunzeln für die vergebene Großchance übrig, denn man führte ja weiterhin mit zwei Toren Vorsprung. Oft ist der Name Ivo Ilicevic im Zusammenhang mit „Player of the Match“ gefallen, aufgrund seines Tores und seiner Vorlage sicherlich zu recht. Es war bereits die Nachspielzeit angebrochen, die Taschentücher zur Verabschiedung des Gegners wurden bereits herausgekramt, als die Freude über den Sieg doch noch getrübt wurde. Ilicevic flog mit einer gelb-roten Karte vom Platz. Ein Wehrmutstropfen für die FCK-Fans.
Die letzten Bälle flogen aus dem FCK-Strafraum und dann war es vollbracht! Der 1. FC Kaiserslautern schafft die Sensation und bezwingt den Meister mit 2:0. Später sollte man von einer Blamage für die Münchner reden. Die Zufriedenheit war in den Gesichtern der FCK-Anhänger zu sehen, aber auch leichte Verwunderung über diese tolle Leistung des Teams. Der Weg aus dem Stadion glich einem Festzug, denn es wurde gesungen und gelacht. Vor allem lachte man über die Bayern, die gegen den vermeintlichen Außenseiter mehr zugelassen hatten, als noch vor wenigen Monaten der FC Augsburg. Es war ein glorreicher Abend für alle Anhänger der roten Teufel. Und wir alle sind natürlich guter Dinge, dass die Mainzer ein ähnliches Schicksal erwartet, wie den FC Bayern.

