Schumi und Spa: Eine Liebe fürs Leben
Hach, was war das für ein Formel-1-Wochenende! Herrlich, einfach herrlich! Auch zwei Tage später könnte man als Racing-Fan noch davon schwärmen, wie Michael Schumacher einen Fahrer nach dem anderen buchstäblich im Regen stehen ließ.
Da wurden Erinnerungen an 1995 wach, als der damals 26-Jährige sein bis heute vielleicht bestes Rennen überhaupt absolvierte und den überforderten Engländer Damon Hill aussehen ließ wie einen Schuljungen.
Auf Platz 21 war Schumi in Belgien gestartet, die Aussichten auf echte Highlights – ganz zu schweigen von Zählbarem, sprich Punkten – waren vorsichtig ausgedrückt mies. Und trotzdem: Irgendetwas Magisches gibt es da zwischen dem Mercedes-Piloten und Spa-Francorchamps, das einen darauf vertrauen lässt, dass irgendwie doch etwas geht.
Und das geht offensichtlich nicht nur dem gemeinen Schumi-Anhänger so, sondern auch dem Meister selbst. Es gab Szenen, in denen dem Boliden der fehlende Speed anzumerken war, gar keine Frage. Das ist aber am allerwenigsten Schumachers Schuld. Schumi kann die langsame Krücke, die ihm Mercedes da Rennen für Rennen zur Verfügung stellt, nur an die zugegeben engen Grenzen treiben.
Aber wie er das mal wieder getan hat, war ein Genuss! Wann hat man Schumi in diesem Jahr schon mal so mutig, so selbstbewusst gesehen wie in Spa? Man denke nur an die Szene in den ersten Runden, als er Nico Rosberg mit einem verwegenen Manöver die Möglichkeit zu überholen nahm. Das war er wieder, der kompromisslose Superstar, der in Spa schon sechs Siege feiern konnte. Allein diese Szene war das Eintrittsgeld wert.
Schumachers Entscheidung vor dem Start, zunächst mit harten Slicks zu fahren, erwies sich als genau richtig. So konnte er länger auf der Strecke bleiben als die Kollegen und damit einen Stopp sparen. Die anderen Fahrer dagegen mussten alle irgendwann an die Box und den Rekordweltmeister vorbei lassen. Schumi fuhr also nicht nur stark, er zeigte auch eine taktische Meisterleistung!
Die Tatsache, dass er wiederum kurz vor Schluss von seinem Teamkollegen Rosberg überholt wurde, ändert nichts an dem tollen Eindruck, den Schumacher hinterließ. Und war zudem vor allem der Tatsache geschuldet, dass Rosbergs Auto von Beginn an besser auf den im Verlaufe des Rennens einsetzenden Regen abgestimmt war.
“Die Plätze sechs und sieben, da können wir nicht meckern”, kommentierte Schumi den Rennausgang. Klingt gönnerhaft, aber wer den Altmeister kennt, der weiß: Schumi war angefressen, er wollte das interne Duell unbedingt gewinnen. Und für alle Fans, die sich schon damit abgefunden hatten, dass ihr Idol die Saison abgehakt hat, ist das ein gutes Zeichen. Schumi is back, Schumi is on fire und Schumi hat es seinen Kritikern erneut gezeigt!


