24 Okt

Paul Biedermann exklusiv: “Ich träume von einer olympischen Medaille”

Paul Biedermann hat auch beim Heim-Weltcup in Berlin seine starke Form demonstriert. Der Doppel-Weltmeister auf der Kurzbahn sicherte sich am vergangenen Wochenende souverän die Siege über 400 und 200 Meter Freistil.

Mit dem DVAG TeamBlog sprach der 25-Jährige nach seinen Rennen über alte Bekannte, neue Herausforderungen und sagenumwobene Schwimmtechniken.

Herr Biedermann, wurmt es Sie, dass nicht nur das Duell mit Michael Phelps ausgefallen ist, sondern dass auch Ihr EM-Widersacher Yannick Agnel seine Starts hier mehr als lockere Versuchseinheiten verstanden hat?
Agnel ist halt auch aus dem Training angereist. Daher kann ich das schon irgendwie verstehen. Aber es ist natürlich schade, dass er das hier nicht so ernst nimmt.

Vielen Trainern und Athleten ist die Kurzbahn-Saison mit ihren vielen Wettkämpfe ohnehin eher lästig, weil dabei zuviel Trainingszeit verloren geht, gerade in der olympischen Saison. Für Sie ist Berlin indes bereits der dritte Weltcup in der noch jungen Saison.
Das stimmt. Für mich standen nach den drei Wochen Trainingslager in der Höhe sowieso Intensitäten an, daher haben wir entschieden, dass wir diese intensiven Einheiten gleich im Wettkampf machen. Ich mag die Kurzbahn, auch wenn sie schon ein bisschen das noch fehlende Niveau kaschiert. Andererseits sieht man daran, dass ein Michael Phelps oder die Amerikaner an sich überhaupt anreisen, dass die Weltcup-Serie auch international sehr gut angenommen wird.

Apropos Michael Phelps. Sie sind unter der Woche beim Weltcup in Moskau das erste Mal seit dem 200-Meter-Freistil-Showdown in Shanghai wieder aufeinander getroffen. Gab es da ein großes Hallo?
Nein. Wir haben uns jetzt nicht groß unterhalten. Kumpels werden wir wohl auch nie werden. Zwischen uns wird es nie viel Gerede geben, wir werden die Differenzen immer im Wasser austragen. Und ich freue mich jedes Mal auf diese Duelle. Er ist nun mal der Maßstab, der da genommen wird. Deswegen möchte ich mich natürlich immer mit ihm messen.

Was hat denn bei der gemeinsamen Pressekonferenz vor dem Weltcup überwogen: Die Freude über das Lob von Michael Phelps, dass Sie für ihn zu den besten der Welt gehören oder der Ärger darüber, dass er kurz darauf Ihre Weltrekorde aus Rom mit der Anmerkung zu schwächen versuchte, dass er bei dieser WM 2009 in der schlechtesten Verfassung seines Lebens gewesen sei?
Ach, man kann doch im Nachhinein immer Leistungen gut oder schlecht reden. Für mich hat das gezählt, was in dem Moment gebracht wurde, da werde ich mich jetzt auch nicht von abbringen lassen. Ich glaube aber schon, dass er mich jetzt nach der WM in Shanghai akzeptiert hat. 2009 war ich der Typ mit dem Anzug, jetzt können wir uns fast auf Augenhöhe begegnen.

Ein anderer Name, der in diesem Zusammenhang immer häufiger ins Spiel gebracht wird, ist der des Australiers Ian Thorpe. Er wird beim Weltcup in Singapur sein Comeback geben. Haben Sie mal überlegt, dort auch zu starten, um live dabei zu sein?
Nein, dass war überhaupt kein Anreiz. Ich möchte das auch erstmal aus der Ferne beobachten. Er schwimmt ja nicht umsonst nur seine Nebenstrecken, damit er da nicht sofort eine Wertung bekommt.

Aber vor dem Bildschirm werden Sie schon sitzen, oder?
Ja, ich werde mir das Rennen auf jeden Fall anschauen. Es ist ja auch ein Ereignis. Jeder wartet doch jetzt erstmal auf eine Zeit, darauf, das was passiert. Dann kann man vielleicht mehr sagen.

Zum Beispiel was es mit der sagenumwobenen neuen Schwimmtechnik auf sich hat, die er angekündigt hat. Was könnte denn da kommen?
Ich glaube, dass darf man nicht so ernst nehmen. Und selbst wenn er eine neue Technik hat, dann kann man die schon noch übernehmen in dem Jahr (lacht). Vielleicht hat er die Ankündigung aber auch einfach gemacht, um erstmal Ruhe zu haben.

Sie selbst haben bei der WM Wenden, Starts und Tauchphasen zu Ihren größten Schwächen erklärt – auch weil ein Ryan Lochte sich dadurch vielleicht den entscheidenden Vorteil im Finale in ihrer Lieblingsdisziplin verschafft hat. Haben Sie die Notwendigkeit einer ausgefeilten Technik zuvor unterschätzt?
Nein. Wenden waren schon immer wichtig, aber diese Bedeutung haben ja die Amerikaner erst ins Spiel gebracht mit ihren langen Wenden und ihren unglaublichen Unterwasser-Delphin-Kicks. Das war schon fantastisch. Daher muss ich mich dem jetzt auch stellen.

Mit Wenden verhält es sich ähnlich wie mit Sprache lernen. Kindern fliegt es zu, Erwachsenen tun sich ungleich schwerer damit. Haben Sie genug Geduld dafür?
Natürlich ist da jetzt ein Automatismus drin und da ist es schwierig, etwas umzustellen, vor allem weil ich versuche, im Rennen nicht so viel nachzudenken. Aber es ist notwendig, und ich weiß auch, dass ich da Nachteile habe, deswegen fällt mir das gar nicht schwer.

Haben Sie Ihr olympisches Ziel, unter die besten Fünf zu kommen, in den vergangenen Wochen für sich korrigiert?
Nein. Ich glaube, das wird so schon anstrengend genug. Denn es ist nun mal einfach so, dass die olympischen Spiele ihre eigenen Regeln haben. Man hat ja in Shanghai gesehen, wie eng das Feld war. Aber ich träume von einer Olympischen Medaille.