Britta Heidemann hat ein Buch über die Wege zum Erfolg geschrieben. Am Beispiel des Finalkampfes bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking beschreibt sie, wie sie sich immer wieder von Neuem zu Höchstleistungen anspornt.

Im Interview mit dem TeamBlog spricht sie über die Gründe, das Buch zu schreiben, was es mit der “Kunst des Krieges” zu tun hat und welcher Kampf der schwerste außerhalb des Sports war.

Frau Heidemann, seit vergangener Woche kann man Ihr Buch “Erfolg ist eine Frage der Haltung” kaufen. Was hat sie bewogen, dieses Buch zu schreiben?

Es war eine Kombination aus vielen Dingen. Ich habe in den letzten Jahren viele Vorträge gehalten über diesen Themenkomplex, den ich im Buch beschreibe: Motivation, mentale Stärke, Umgang mit Druck, Frustrationstoleranz. Ich schreibe gerne und hatte schon einige Teile in schriftlicher Form als Vorbereitung auf die Vorträge. Hinzu kam, dass ein Journalist angefragt hatte, ob er eine Biografie über mich schreiben könnte. Das habe ich aber abgelehnt, weil ich finde, dass man nicht unbedingt mit 28 seine Autobiografie schreiben muss. Aber dadurch wurde die Idee, selbst etwas zu machen, natürlich verstärkt. Und mein Vater hat irgendwann angefangen, die ganzen Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Olympiasieg aufzuschreiben, ich habe viele Interviews gegeben, meine Eltern wurden viel gefragt gerade zu Themen wie Erziehung und Motivation und dann habe ich gesagt: ‘Nee Papa, ich schreib’ das jetzt selbst, da habe ich jetzt richtig Lust drauf.’ Das Buch ist die Beantwortung all der Fragen, die mir, meinen Eltern und meinem Bruder seit 2008 immer wieder gestellt wurden.

Gibt es Vorbilder für ihr Buch, oder haben Sie einfach drauf los geschrieben?

Nein, ich habe mir vorher viele Gedanken über das Konstrukt gemacht und dann mit Leib und Seele von Januar bis April am Computer gesessen. Ein Vorbild für das Buch gab es aber nicht. Bei mir ist es so, wenn ich mir zu viel von anderen abgucke, vergehen meine eigenen Ideen. Ich bin mit dem Ergebnis, das dabei herausgekommen ist, sehr zufrieden.

Sie erwähnen die “Kunst des Krieges” des chinesischen Philosophen Sunzi, das er vor zweieinhalbtausend Jahren verfasst hat und das in vielen Manager-Ratgebern empfohlen wird. Was verbindet dieses Buch mit ihrem?

Das ist ein Werk mit vielen weisen Sprüchen, die man sich mal durchlesen kann, wenn man mag, z. B. ‘Der Tiger soll nicht in die Berge gehen, sondern die Beute ins Tal locken’, um die Übersicht zu behalten und nicht von hinten geschlagen zu werden. Da gibt es viele Ansätze, die einfach und einleuchtend sind, an die wir uns aber meistens nicht halten. Und das gilt auch für mein Buch. Es ist einfach wichtig, dass man sich gewisse Dinge, die grundsätzlich ja nicht neu sind, immer wieder bewusst macht oder eben nachliest. Das ist der Ansatz, den ich verfolge.

War das Schreiben des Buches auch eine Art Selbstvergewisserung? Sie erzählen darin, dass sie nach dem Olympiasieg in eine Krise geraten sind, weil sie sich zu viel zugemutet haben?

Es war natürlich nicht so, dass mein Psychologe gesagt hat: ‘Britta, schreib ein Buch, um deine Erfahrungen aufzuarbeiten’. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass ich während des Schreibens viele Erlebnisse noch einmal durchlebt habe. Ich habe mir mit Abstand und Ruhe Fotos und Videos angeschaut. Das war tatsächlich eine sehr intensive Phase, in der habe ich gelitten und viel gelacht. Das war phasenweise sehr emotional. Ich habe gemerkt, wie viel ich schon erlebt habe, und am Ende hat mich eine Dankbarkeitswelle überschwemmt nach dem Motto: ‘Mensch, das ist doch Wahnsinn’, z. B. dass ich mich vor Olympia nicht verletzt habe.

Auch im Leben muss man Gefechte bestreiten? Welches war ihr schwerstes außerhalb der Planche?

Eines war auf jeden Fall die Phase der Diplomprüfungen an der Uni. Da musste ich mich zusammenreißen. Dass ich die Kombination aus Studium und Sport geschafft habe, hat mich mächtig stolz gemacht. Von der akademischen Seite wurden mir, wie vielen anderen Athleten auch, viele Steine in den Weg gelegt. Es hieß: ‘Entscheide dich, entweder für dein Hobby Sport oder das Studium, beides geht nicht.’ Da gab es große Vorbehalte, dass ich das schaffen könnte. Da musste mich erst einmal durchsetzen.

Sie sind ehrgeizig und motiviert. Wer bremst Sie, wenn Sie es übertreiben?

Ich kann mich selbst sehr gut bremsen und meine Eltern natürlich.

Zum Sportlichen: Im Oktober stehen die Weltmeisterschaften an. Wie lautet ihr Ziel?

Natürlich will ich den Titel haben. Ich war bei den Europameisterschafen wieder gut dabei und habe mit der Vizeeuropameisterschaft nur knapp den Titel verpasst. Ich fühle mich wieder gut und werde bei der WM wie immer mein Bestes geben. Wir wollen uns als Team für die Olympischen Spiele qualifizieren, das ist das große Ziel.

Welches ist ihr aktueller Lieblingssong, den Sie auf ihrer Orgel spielen, um sich zu entspannen?

Ich habe schon Lieblingssongs, aber die kann ich nicht auf der Orgel spielen. Das letzte Mal, dass ich ein Lied gelernt habe, ist zehn Jahre her. Seither spiele ich immer das gleiche Repertoire. Ich bin völlig zufrieden, mit dem Umfang, aber am häufigsten spiele ich “Yesterday” von den Beatles, die ich schon als Kind gehört habe.