Dr. Yorck Polus zählt zu den bekanntesten deutschen Sportmoderatoren. Seine Vorliebe für den Journalismus entdeckte der Vater von fünf Kindern erst spät. Im Sommer 1999 wechselte der promovierte Sportmediziner nach einer Initiativbewerbung zum ZDF. Seine Schwerpunkte: Nordischer Skisport, Hand- und Basketball, Radsport, Kanu und Rudern. Vor allem letztes liegt begründet in seinem größten Hobby, denn der langjährige DVAG Kunde brachte es als Ruderer selbst zu nationalen und internationalen Erfolgen. Direkt nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen stand der geübte Interviewer selbst für ein Interview bereit:

Sie haben bereits sechs olympische Spiele begleitet. War die Atmosphäre in London und damit auf europäischem Boden anders als auf anderen Kontinenten?

Polus: Ich habe in drei Wochen von niemandem ein böses, hektisches, streitbares Wort gehört. Die Menschen waren berauscht von den Spielen und sich selbst. Eine Begeisterung, die kaum in Worte zu fassen ist. Sicher ist der Arbeitstag eines Moderators bei einer Olympiade ein Ausnahmezustand.

Wie genau sieht er aus?

Polus: Eine Olympiade ist Schwerstarbeit für Sportler, Betreuer und Journalisten. Wir stehen um 6 auf und kommen vor 9 nicht ins Hotel zurück. Wir müssen uns auf dem Gelände zurechtfinden, Sicherheitsaspekte beachten, neben den Live-Übertragungen weitere Beiträge als Zusammenfassungen erstellen, haben Vor- und Nachbesprechungen. Aber die tolle Atmosphäre fängt den Stress wieder auf. Generell: Sie werden Ihre Zuschauer nur mitreißen, wenn Sie selbst emotional berichten. Gleichwohl brauchen Sie als Beobachter eine gesunde Distanz? Mit Sicherheit eine Gradwanderung. Wir versuchen zu übertragen, was wir am Ort vorfinden. Sicher ist man auch mal »heimlicher Fan«. Das sollten wir nicht sein, können uns aber nicht immer davon freimachen. Und klar ist auch: Wir fiebern genauso für die Deutschen mit und peitschen das Geschehen nach vorne, wie die Zuschauer zu Hause. Das ist Echtzeit.

Verändern sich Sportler, nachdem sie Medaillengewinner werden?

Polus: Nein, das habe ich noch nie erlebt, außer vielleicht bei sehr jungen Fußballern. Alle Ausdauersportarten sind so hart, dass man auch als Gewinner bodenständig bleibt. Im Gegenteil. Oft kommt nach einem Sieg eine große Dankbarkeit zum Ausdruck, dass alles geklappt hat. Das sind Momente, die mir unter die Haut gehen. Erfolg hängt ja von vielen fragilen Faktoren zusammen. Und dessen sind sich Sportler sehr bewusst. Auch nach einer Niederlage können sieihre Fehler sehr genau einschätzen. Sie geben nicht anderen die Schuld. Das ist eine der schönen Seiten, die man durch Sport lernt.

Wie geht man mit Verlierern um?

Polus: In Deutschland leider anders als in England. Dort treibt wirklich jeder Sport und hat deshalb eine große Achtung vor der Leistung. Auch wenn sie mal nicht exzellent ausfällt. Sportler sind Menschen, keine Maschinen. Wenn man weiß, was alles zum Sieg zusammenpassen muss, dann steht man Niederlagen anderer mit mehr Respekt gegenüber. Sicher, wer ausgibt, er will eine Medaille holen, muss sich die Frage stellen lassen, warum es nicht geklappt hat. Manchmal sind andere besser, ohne dass man selbst sich verschlechtert hat.

„Zwei Werte sind mir sehr wichtig: Vertrauen und Respekt.”

Sie haben Ihre berufliche Karriere als Sportwissenschaftler und Sportmediziner an der Uni begonnen. Wie kam es zu einem Wechsel zum Fernsehen?

Polus: Durch eine Frustphase bei meiner Doktorarbeit. Ich war in den letzten Zügen, aber irgendwie ging es nicht weiter. Aus dieser Unzufriedenheit heraus habe ich eine Initiativbewerbung an das ZDF gerichtet, wurde genommen und nebenberuflich für Sportreportagen eingesetzt. Zwei Jahre später fiel eine Moderatorin bei der Ruder- und Reit-WM 2001 wegen Krankheit aus, ich bin eingesprungen. Daraus entwickelte sich eine Tätigkeit aus Überzeugung, denn am Fernsehen schätze ich, dass jeder für das Gesamtprodukt wichtig ist. Das ist selbst großen Unterhaltungsmoderatoren bewusst. Wir sind nur im Team erfolgreich. Auch Moderation will gelernt sein.

Was haben Sie dafür getan?

Polus: Ich hatte genau eine Schulung, aber viele gute Lehrmeister. Sich weiterentwickeln kann man nur, wenn man aufnahmefähig für Kritik und Empfehlungen bleibt. Die Verbesserungsvorschläge meiner Kollegen habe ich immer angenommen und daraus gelernt.

Sie sind direkt nach den Abschlussfeierlichkeiten in Urlaub gefahren. Dort dürfen wir Sie gleich am ersten Tag anrufen. Können wir uns zu Gute halten, dass es mit Ihrer Zufriedenheit als Kunde zu tun hat?

Polus: Ganz sicher, denn von jedem lasse ich mich in dieser einen Woche nicht stören. Der Vermögensberater Dirk Kehl betreut mein finanzielles »Gesamtpaket« seit circa 10 Jahren. Ich war von dem Erstgespräch sehr angetan und daran hat sich bis heute nichts verändert. Wir bringen uns viel Vertrauen und Respekt entgegen. Zwei Werte, die mir sehr wichtig sind. Privat wie beruflich. Und für den Sport sowieso.

Als Sportkommentator muss man sekundenschnell auf den Punkt kommen. Würde Sie die Reduzierung auf das Wesentliche in einem Beratungsgespräch ansprechen oder stören?

Polus: Da ich bei Finanzen konservativ bin und jedes Risiko vermeide, möchte ich schon über die genauen Hintergründe informiert sein, um eine Entscheidung treffen zu können. Aber lang und ausschweifend muss es nicht sein, dazu habe ich keine Zeit. Üppige Sachverhalte auf wenige Fakten reduziert präsentiert zu bekommen, das ist mir wichtig.

Wann können wir Sie das nächste Mal auf dem Bildschirm erleben?

Polus: Das weiß ich gar nicht aus dem Kopf. Für die Paralympics übernehme ich die Programmleitung und bleibe damit hinter der Kamera. Und danach gibt es für mich eine Wettkampfpause, oder auch nicht, ganz wie man es sieht. Wir erwarten unser 5. Kind im Dezember.