In einem Jahr Europameister, Vize-Weltmeister und mehrfacher deutscher Meister zu werden ist eine herausragende Leistung. Im DVAG TeamBlog lässt Marco Koch, Sportpartner der Deutschen Vermögensberatung, das Jahr 2014 Revue passieren und gibt einen Ausblick auf seine Ziele.

2014 war für Sie ein sehr erfolgreiches Jahr mit dem Europameistertitel über 200m Brust als Höhepunkt. Beschreiben Sie für uns den Weg zur Europameisterschaft.

Marco Koch: Der Weg hat bereits im Jahr 2013 begonnen. Nach der WM in Barcelona habe ich meine Ernährung komplett umgestellt. Bei einem Blutest fand mein Arzt heraus, dass ich eine ganze Reihe von Nahrungsunverträglichkeiten habe. Ich vertrage zum Beispiel keine glutenhaltige Nahrungsmittel oder Eier- und Milchprodukte. Seitdem ich diese Dinge von meinem Speiseplan gestrichen habe, geht es mir viel besser. Ich kann im Training und bei den Wettkämpfen eine viel höhere Leistung bringen als zuvor. Außerdem war meine Vorbereitung auf die EM 2014 wirklich gut. Ich habe einige Trainingslager, unter anderem im T3 auf Teneriffa und in Sardinien, absolviert und bin zudem sehr viele Wettkämpfe geschwommen.

Ab welchem Zeitpunkt während dieser intensiven Vorbereitung haben Sie mit einem Titel gerechnet?

Marco Koch: Ich rechne generell nicht mit Titeln. Ich konzentriere mich lieber auf meine Zeiten. Es war mein großes Ziel, meinen deutschen Rekord zu verbessern. Ich war relativ früh auf einem guten Weg. Ich bin bei den Deutschen Meisterschaften schon in die Nähe geschwommen und später auch bei einem Wettkampf in Monaco. Es war also früh klar, dass ich mein Ziel erreichen kann.

Beschreiben Sie das Finale über 200m Brust: Wie haben Sie sich vor dem Start gefühlt und wie war die Stimmung in der Arena in Berlin?

Marco Koch: Ich war ziemlich aufgeregt vor dem Start, aber gleichzeitig hatte ich sehr große Lust auf das Rennen. Ein so wichtiges Rennen im eigenen Land schwimmen zu können erlebt ein Schwimmer nicht oft. Die Stimmung war einfach bombastisch. Die Menge hat bei jedem Zug von mir mitgeschrien und mich angefeuert. Das war der Wahnsinn.

Der Sieg war ein absoluter Gänsehautmoment. Die Arbeit eines ganzen Jahres hat sich gelohnt und dazu noch der deutsche Rekord, es hätte kaum besser laufen können.

Nach der EM ging es erfolgreich weiter für Sie. Waren die Erfolge bei diversen Weltcups und der Deutschen Kurzbahnmeisterschaft in Wuppertal die idealen Voraussetzungen für die WM in Doha?

Marco Koch: Nach der EM wurde ich leider erst mal krank. Die Erkältung hat mich ein bisschen zurückgeworfen und die ersten beiden Weltcups waren dementsprechend schlecht. Zur Vorbereitung auf die WM in Doha absolvierte ich dann ein Höhentrainingslager in der Sierra Nevada in Spanien. Leider habe ich auf diese Art von Training nicht gut reagiert, weshalb  die WM in Doha von den Zeiten her auch nicht so gut gelaufen ist, wie ich es erhofft hatte.

Bei den Rennen geht es um Hundertstel: Marco Koch bei der Deutschen Kurzbahn Meisterschaft 2014 (Foto: M. Seifert)

Bei den Rennen geht es um Hundertstel: Marco Koch bei der Deutschen Kurzbahn Meisterschaft 2014 (Foto: M. Seifert)

Was genau lief beim Höhentraining nicht optimal?

Marco Koch: In der Höhe zu trainieren, ist natürlich sehr anstrengend und man bekommt schlecht Luft. Ich konnte deshalb nicht so viel Brust schwimmen, wie gewohnt. Das Hauptproblem war sicherlich, dass ich nicht so intensiv trainieren konnte, wie normalerweise. Ich bin entweder lange und langsame Einheiten geschwommen oder kurze Sprints. Leider haben dann die sehr intensiven Meter gefehlt, die ich bis zur WM auch nicht mehr kompensieren konnte.

War Ihnen bewusst, dass sich das Höhentrainingslager eventuell negativ auf die WM auswirken könnte?

Marco Koch: In der Weltspitze des Schwimmens gibt es einfach eine unglaublich hohe Leistungsdichte. Das heißt, ich muss alles ausprobieren, um noch ein paar Hundertstel schneller zu werden. Neue Trainingstechniken, wie das Höhentrainingslager, können eine Möglichkeit sein. Es hat zwar nicht optimal funktioniert, aber ich weiß nun, dass ich Höhentrainings nur noch in der Vorbereitungsphase der Saison absolvieren werde. Zudem ist das große, allem übergeordnete Ziel,  Olympia 2016 in Rio. Selbst eine WM, wie die in Doha, nutze ich, um mich auf Rio vorzubereiten und meine Zeiten zu optimieren.

Sie treffen immer wieder auf Ihren Langzeitrivalen Daniel Gyurta aus Ungarn. So auch bei der WM in Doha. Was macht für Sie diese Rivalität aus?

Marco Koch: Es ist sicherlich nicht leicht, Daniel Gyurta zu schlagen. Da spielt auch die  nötige Portion Glück mit rein. Wer hat die bessere Tagesform? Wer kann 100% abrufen und wer nur 99,8%? Ende des letzten Jahres beim Weltcup in Hongkong habe ich ihn auch geschlagen. Ich denke wir sind wirklich auf Augenhöhe und ich werde mein Bestes geben, um gegen ihn zu gewinnen.

Was halten Sie von dieser Konkurrenzsituation und wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Daniel Gyurta?

Marco Koch: Konkurrenzsituationen spornen mich zusätzlich an. Ich will immer besser werden und die besten Zeiten aus mir herausholen. Bei Wettkämpfen spreche ich  häufig mit Daniel Gyurta. Wir haben ein sehr nettes Verhältnis und tauschen uns über unsere Trainingseinheiten aus.

Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2015?

Marco Koch: Nach meiner Leistenoperation nach der WM in Doha im Dezember letzten Jahres muss ich erst einmal wieder 100% fit werden. Aber ich will auch 2015 wieder an möglichst vielen Wettkämpfen teilnehmen, dafür an weniger Trainingslagern wie noch 2014. Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der WM in Kasan im Juli und August. Ich bin einer von drei deutschen Schwimmern, die sich nicht mehr für die WM qualifizieren müssen. Das nimmt schon einmal Druck von meinen Schultern. Ich kann mich also das ganze Jahr voll auf die Weltmeisterschaft konzentrieren.

Wir danken ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg bei den anstehenden Wettkämpfen, speziell bei der WM in Kasan.