Marco Koch ist kaum zu stoppen. Bei der Kurzbahn-WM (6. bis 11. Dezember 2016) in Kanada feierte der Darmstädter einen Doppelerfolg. Nach dem Sieg im Rennen über 100 Meter Brust sicherte er sich auch auf seiner Parade-Strecke über 200 Meter die Goldmedaille. Auch seinem Traum vom perfekten Rennen ist er zuletzt ein Stück näher gekommen. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften Ende November in Berlin schwamm er im Finale über 200 Meter Brust Weltrekord.

Doch nicht immer läuft alles so rund wie an solchen Tagen. Kurz vor seinem Aufbruch nach Kanada empfing uns Marco Koch in seinem heimischen Trainingsbad. Dort erzählte er uns ganz persönlich von seinen jüngsten Erfahrungen beim Weltrekord-Rennen und dem Umgang mit enttäuschenden Erlebnissen.

TeamBlog: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Weltrekord, Marco. Das muss ein ganz besonderer Moment für dich gewesen sein. Hast du damit gerechnet?

Marco Koch: Vielen Dank! Ich kann es immer noch kaum glauben. Ich habe schon gemerkt, dass ich gut drauf bin als ich drei Tage zuvor auf den 100 Metern Deutschen Rekord geschwommen bin. Gerechnet habe ich damit aber nicht.

TeamBlog: War das für dich das perfekte Rennen?

Marco Koch: Es war schon sehr nah dran. Die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften gingen über vier Tage und mein Rennen über die 200 Meter stand am letzten Tag an. Man wird von Tag zu Tag ein bisschen müder und so war der Vorlauf für mich relativ schwierig. Im Finale habe ich dann aber gemerkt, dass alles passt. In der Halle wurde es immer lauter – das hat mich noch einmal richtig motiviert. Ich wusste, dass es eine gute Zeit wird. Aber als ich gesehen habe, dass es Weltrekord ist, war ich überglücklich!

Der Weltmeister beim Training im heimischen Hallenbad in Darmstadt

Der Weltmeister beim Training im heimischen Hallenbad in Darmstadt

TeamBlog: Hast du in deiner Vorbereitung auf die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften etwas anders gemacht als sonst?

Marco Koch: Ich probiere in meinen Vorbereitungsphasen gerne neue Dinge aus, um meine Leistung zu verbessern. Ich möchte nicht auf der Stelle stehen, sondern mich stetig weiterentwickeln. Nach den Olympischen Spielen in Rio habe ich die Mark Warnecke Diät gemacht und dadurch mein Gewicht stark reduziert.

TeamBlog: Hast du keine Angst, dass sich solche Veränderungen negativ auf deine Leistung auswirken?

Marco Koch: Doch, natürlich. Starke Veränderungen können schnell nach hinten losgehen. Deshalb habe ich dieses extreme Experiment auch erst nach den Olympischen Spielen gemacht. Trotzdem ist es wichtig, seine eigenen Trainings- und Lernmethoden immer wieder zu hinterfragen und neue Dinge auszuprobieren. Im Leistungssport geht es im Endeffekt um Nuancen, da helfen Kleinigkeiten dabei, große Erfolge zu erzielen.

TeamBlog: Um Nuancen ging es auch bei deinem Rennen in Rio de Janeiro. Dort konntest du dein Potential nicht vollständig abrufen und bist letztlich auf dem 7. Platz gelandet. Weißt du woran das lag?

Marco Koch: In meiner Vorbereitung hatte ich mit einigen Problemen zu kämpfen. Ich hatte Drüsenfieber und war wochenlang ziemlich k.o., das hat mich viel Zeit gekostet. Ich konnte mich in meiner Vorbereitung aber trotzdem verbessern. Auch das Rennen an sich hat sich gut angefühlt. Ich wollte ins Finale kommen und mein Bestes geben. Das habe ich gemacht. Ich kann natürlich nur meine Leistung selbst beeinflussen und mit der war ich im Finale zufrieden. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass es Strömung im Becken gab. Das wirkt sich natürlich auch auf die Zeiten aus.

TeamBlog: So etwas ist ärgerlich. War das bisher die negativste Erfahrung in deiner Schwimmkarriere?

Marco Koch: Nein, das war 2011 bei den Deutschen Meisterschaften als ich mir im Finale einen Bandscheibenvorfall zugezogen habe. Besonders bitter war, dass ich mich bei den Deutschen Meisterschaften für die Weltmeisterschaft qualifizieren wollte. Ich habe später versucht über einen zusätzlichen Wettkampf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft zu schaffen, aber ich war einfach zu langsam. Ich habe zum ersten Mal gedacht, dass meine Karriere vorbei ist. Aber so wollte ich nicht aufhören!

Weltrekordhalter Marco Koch gibt seine Erfahrungen gerne an jungen Talente weiter

Weltrekordhalter Marco Koch gibt seine Erfahrungen gerne an junge Talente weiter

TeamBlog: Wie gehst du mit solchen Erfahrungen um?

Marco Koch: Zuerst versuche ich ein wenig Abstand zu der Situation zu gewinnen und den Kopf frei zu bekommen. Danach fange ich an die Fehler zu analysieren und sie danach gezielt zu beseitigen.

TeamBlog: Das hört sich für einen erst 26 Jahre alten Athleten sehr weise an.

Marco Koch: Es ist wichtig solche Dinge mit etwas Abstand zu betrachten, sonst reagiert man viel zu emotional. Man kann auf diese Weise einiges aus seinen Fehlern lernen und kommt deutlich stärker zurück.

TeamBlog: Der richtige Umgang mit Niederlagen ist also der entscheidende Faktor für Erfolg?

Marco Koch: Das Verarbeiten von Fehlern ist nicht zu unterschätzen. Es ist aber auch wichtig, dass man Spaß an dem hat, was man tut. Acht von zehn Mal freue ich mich auf das Training.

Aber natürlich gibt es auch die Tage, an denen ich lieber im Bett liegen bleiben würde. Aber genau diese Tage machen den Unterschied zwischen Siegern und Verlierern. Wenn es leicht ist, kann jeder Leistung bringen.

Ich denke im Übrigen, dass das nicht nur für den Leistungssport gilt, sondern für jeden Beruf.

TeamBlog: Wie schaffst du es, dich an genau diesen schwierigen Tagen zu motivieren?

Marco Koch: Ich versuche an schwierigen Tagen aus meinen alltäglichen Routinen auszubrechen. Ich konzentriere mich dann beispielweise auf etwas ganz bestimmtes, wie den Start oder die Wenden. Dabei gebe ich mir dann aber besonders viel Mühe, um möglichst viel aus einem solchen Tag herausholen zu können. Außerdem hilft ein starkes Team ungemein an solchen Tagen. Das sind in meinem Fall meine Trainingspartner oder das Nationalmannschaftsteam. Wir motivieren uns gegenseitig und wachsen im Rennen sogar noch über uns hinaus.

TeamBlog: Das andere Team, dem du zur Seite stehst, ist das DVAG-Juniorteam. Celine Rieder zählt unter anderen auch dazu und ist bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Berlin Weltjahresbestzeit geschwommen. Du warst selbst vor Ort und hast ihren Erfolg miterlebt. Wie war das für dich?

Marco Koch: Ich bin natürlich froh, dass es so etwas wie das DVAG-Juniorteam im Schwimmsport gibt. Eine solche Förderung hätte ich mir früher auch gewünscht. Es ist sehr schön, wenn man sieht, dass die Junioren den Sprung in die Deutsche Spitze schaffen. Bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften hat Celine richtig aufgetrumpft mit ihren Siegen. Über 1.500 Meter sogar mit Weltjahresbestzeit! Jetzt fliegt sie zu den Weltmeisterschaften nach Kanada – und das mit nur 15 Jahren. Da geht einem das Herz auf.

Pate eines erfolgreichen Teams - Marco Koch und die Mitglieder des DVAG-Juniorteams

Pate eines erfolgreichen Teams – Marco Koch und die Mitglieder des DVAG-Juniorteams

TeamBlog: Siehst du in Celine Rieder bestimmte Eigenschaften, die sie so erfolgreich machen?

Marco Koch: Sie ist extrem ehrgeizig und willensstark. Das gilt für alle Mitglieder des DVAG-Juniorteams und macht denke ich einen Top-Schwimmer aus. Celine kann sehr gut mit Druck umgehen, das hat sie bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften bewiesen. So ein Finale muss man erst einmal gewinnen. Da spreche ich meinen allergrößten Respekt aus.

TeamBlog: Als kleiner Ausblick zum Abschluss: Was hast du dir für die Zukunft vorgenommen?

Marco Koch: Meinen Fokus setze ich auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Budapest. Alle anderen Wettkämpfe bis dahin sind für mich zweitrangig.

TeamBlog: Und außerhalb des Sports?

Marco Koch: Ich will mich etwas mehr auf mein Fernstudium konzentrieren und mir dadurch ein zweites Standbein für den Anschluss an meine Schwimmkarriere aufbauen. Ich freue mich auf die Zeit nach der Sportkarriere. Ich habe mich noch nie nur über das Schwimmen definiert.

Für mich war es wichtig, mich auch als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Der Leistungssport hat mir sicherlich dabei geholfen, auch außerhalb der Schwimmhalle reifer zu werden und einige Dinge fürs Leben zu lernen.

Ein gutes Zeitmanagement war beispielsweise essentiell für meine Erfolge im Jugendbereich. Aber natürlich auch der Umgang mit Niederlagen. Ich denke, Eigenschaften und Angewohnheiten wie diese, habe ich durch den Sport gelernt und sie werden mir auch in meiner beruflichen Zukunft weiterhelfen.

Die Deutsche Vermögensberatung bedankt sich ganz herzlich bei Marco Koch für das Interview, das noch vor der Kurzbahn-WM in Kanada geführt wurde. Ebenso gratuliert die DVAG zu den beiden dort errungenen WM-Titeln und drückt die Daumen für eine erfolgreiche Vorbereitung auf die WM in Budapest.