Ein Team zu formen und zu führen, ist für mich die spannendste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann. Es ist für mich ein enormer Ansporn, mit einer Mannschaft einen gemeinsamen Weg zu beschreiten und am Ende, nach Höhen und Tiefen, zu einem gemeinsamen Ziel zu gelangen.

Langfristiger Erfolg im Team wird sich nur einstellen, wenn ein Coach verschiedene Fähigkeiten mitbringt. Es gilt, aus einer Ansammlung von unterschiedlichen Charakteren ein Erfolgsteam aufzubauen. Drei aus meiner Sicht sehr wichtige Bausteine stelle ich euch in dieser Kolumne vor.

Beobachten

Für einen Coach ist es elementar wichtig, ein guter Beobachter zu sein. Tagtäglich muss er alles im Blick haben. Er sollte kleinste Entwicklungen der Spieler bemerken, wissen, welche Kleingruppen sich gebildet haben, welcher Positionskampf über das gesunde Maß hinausgeht und zu einem Streit führen könnte.

Dabei tritt er als stiller Beobachter auf. Er weiß über alles Bescheid, greift aber nur dann in das Mannschaftsgefüge ein, wenn es unbedingt nötig ist.

„Ich muss jedem meiner Spieler die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen! Nur so kann ich mein Ziel des langfristigen Erfolges meiner Mannschaft verfolgen und hoffentlich auch erreichen.“

Zuhören

Während der Saison sehe ich meine Spieler fast rund um die Uhr. Wir trainieren mehrmals täglich, reisen zu Auswärtsspielen und die Jungs sehen mich also oftmals häufiger als die eigene Familie. Deshalb muss ich ein offenes Ohr für die Spieler haben und in solchen Gesprächen kann es sowohl um sportliche als auch um private Dinge gehen. Vertrauen dafür bekommt ein Coach aber nur dann entgegengebracht, wenn er authentisch, ehrlich ist und Empathie zeigt. Bei mir wissen die Spieler, was sie bekommen.

Ich nehme mir gerne diese Zeit für mein Team, und das spüren die Spieler. Denn nur, wenn sich jeder Einzelne im Kader wohl, verstanden und wichtig fühlt, wird das Team erfolgreich sein.

„Es wird immer mein Bestreben sein, meine Mannschaft nach diesem Motto zu fördern und anzutreiben.“

Entscheiden

Entscheidungen zu treffen, hat etwas mit Verantwortung zu tun.

Als Manager eines Teams muss ich zu 100 Prozent hinter meinen Entscheidungen stehen. Das zählt für Transfers genauso wie für bspw.  Mannschaftsaufstellungen.

Doch um zu einer Entscheidung zu gelangen, nehme ich mir natürlich auch als Chef die Meinung anderer zu Herzen. In meinem Fall sind dies mein Trainerstab, Mannschaftskapitän, Mannschaftsrat aber auch enge Mitarbeiter. Es wäre wenig sinnvoll, wenn ich deren Meinungen nicht berücksichtigen würde.

Ein Coach sollte nie die Augen verschließen und nur nach seinen eigenen Denkmustern agieren. Neue Gedanken aus dem Team haben mir schon oft geholfen, Situationen anders zu betrachten und mich immer wieder neu zu fokussieren, um am Ende die für mich richtige Entscheidung zu treffen.

Als Teammanager in Liverpool führe ich ein wesentlich größeres Team als das noch in Dortmund der Fall war. Neben der Mannschaft muss ich mich um übergeordnete Themen und auch nichtsportliche Angelegenheiten innerhalb des Vereins kümmern. Die Parallelen zu euch, den Finanzcoaches der DVAG, sind dadurch noch größer geworden, und ich hoffe, dass euch meine Kolumnen ein wenig in eurem Berufsalltag unterstützen können.

Bis demnächst, euer Jürgen