7 Jul

Wojtek Czyz – vom zerstörten Traum zur Goldmedaille

Wojtek Czyz ist einer der erfolgreichsten deutschen Paralympic-Athleten. Vier Goldmedaillen hat er im Sprint und im Weitsprung gewonnen. Früher träumte er von einer Karriere als Profi-Fußballer – doch dann traf ihn das Schicksal mit voller Härte.

Aber Czyz ließ sich nicht unterkriegen. Mit Hilfe von Freunden, Ärzten und einem unbändigem Willen ist er seinen Weg gegangen.

“Du liegst im Krankenhaus, hast schon etliche Operationen hinter Dir, um Dein Bein irgenwie wieder hinzukriegen. Dann soll nur noch eine OP kommen. Du wirst nach der OP wach, schaust auf dein Bettlaken und deine schlimmste Vorstellung wird Gewissheit: das Bein war nicht mehr zu retten. Es war Montag, der 24.09.2001, ich glaube irgendwie mittags. Ich wache auf und habe nur noch ein Bein.” (Wojtek Czyz auf seiner Homepage)

Manchmal schlägt das Schicksal unbarmherzig zu. Wojtek Cysz ist ein talentierter Fußballer. Vor zehn Jahren hat er nur einen Traum: Profi zu werden. Vor wenigen Tagen hat er ein Probetraining bei Fortuna Köln absolviert, der Club spielt in der Regionalliga. Czyz ist so gut, dass ihm der Trainer sofort eine Zusage gibt. Er bekommt außerdem einen Studienplatz an der Sporthochschule in Köln. Czyz schwebt im siebten Himmel, ein erster Schritt auf dem Weg zum Fußball-Profi ist getan, alles scheint perfekt zu laufen. Er ist 21 Jahre alt.

Ein brutales Foul zerstört seinen Traum

Vier Tage später macht er sein letztes Spiel für seinen alten Club, den VfR Grünstadt: Ein langer Ball in den Sechzehner, Czyz kann den Ball nicht mehr erreichen und versucht, über den heraus eilenden Torwart zu springen. Aber stattdessen trifft der ihn mit gestrecktem Bein am Knie. “Seinen Blick werde ich nie vergessen!”, schreibt Czyz auf seiner Homepage über den Moment unmittelbar nach dem brutalen Foul.

Der Schock ist groß. Man bringt Czyz ins Grünstädter Krankenhaus, die stellen die richtige Diagnose: Sämtliche Blutgefäße im Knie sind zerstört, der Unterschenkel wird nicht mehr mit Blut versorgt. Es folgt eine Odyssee in Kliniken nach Kaiserslautern und Homburg, Czyz wird erst in der Nacht operiert – viel zu spät bei so einer schwerwiegenden Gefäßverletzung.  Nach einer Woche wird der gebürtige Pole nach Mainz verlegt, aber auch da können die Ärzte das Bein nicht mehr retten, es muss amputiert werden.

Czyz meistert sein Schicksal

Czyz braucht lange, um den Schock zu verdauen. Aber er hat auch Glück. Die Ärzte sind um ihn bemüht. Die Mainzer schicken ihn in eine Reha-Klinik, wo er zwei Menschen trifft, die ihm in dieser schwierigen Situation helfen. Roberto Simonazzi, ebenfalls beinamputiert und Paralympic-Athlet, und Herbert Ganter, ein Orthopädiemechaniker. Die beiden richten Czyz wieder auf und bringen ihn in die Spur – und wie!

Czyz lernt, mit seiner Behinderung zu leben. Er “schult” um auf Weitsprung und Sprint. Sport ist weiter seine Leidenschaft, für ihn investiert er alles. Der Lohn: 2004 bei den Paralympics in Athen holt er drei Goldmedaillen über 100 und 200 Meter und im Weitsprung. Vier Jahre später springt er in Peking Weltrekord ( 6,50 Meter) und gewinnt erneut Gold. Die Sprints hat er wegen Verletzungen in der Vorbereitung sausen gelassen. Er wird außerdem Welt- und Europameister.

Das nächste Ziel heißt London 2012. Sein Traum ist es, die Sieben-Meter-Marke zu knacken, auch wenn er in den letzten Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Der Athlet vom 1. FC Kaiserslautern trainiert hart, er ist ehrgeizig. Czyz hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen und mit Unterstützung anderer ist er seinen Weg gegangen. Und er wird ihn weiter gehen.